Unreife Erhebungsmethode zum gescheiterten Frühfranzösisch
Strategie der Bildungsdirektion: Frühfranzösisch, Frühenglisch, aber Spätdeutsch.

Rund jeder zweite Sekundarschulabgänger verfehlt die Minimalziele. Das, obschon im Baselbiet Französisch zwei Jahre vor Englisch unterrichtet wird. Noch drastischer fallen die Werte im tiefsten Leistungszug A aus. Dort erreichen im Französisch nur 24 Prozent die Grundkompetenzen im Hörverstehen und lediglich 19 Prozent im Leseverstehen. Im Englisch liegen die Werte derselben Gruppe immerhin bei 70 Prozent im Hörverstehen und bei kläglichen 43 Prozent im Leseverstehen. Der vollständige Bericht hat der Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann erst vor ein paar Tagen publiziert und auch nur auf Druck von aussen – unter anderem auf Druck der Starken Schule beider Basel.

Einseitiger Auftrag

Unverständlich ist, dass die beauftragten Autoren der Studie, Projektleiterin Karin Büchel und Projektmitarbeiter Lukas Oechslin von «Interface Politikstudien Forschung Beratung AG» ausschliesslich die Frage untersucht haben, wie die Leistungen in Französisch und Englisch verbessert werden können.

Sie fragen nicht:

  • Was passiert mit Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften oder Geschichte, wenn zusätzliche Lektionen für Französisch geschaffen werden?
  • Führt mehr Französisch zu weniger Lernzeit in anderen Kernfächern?
  • Welche Auswirkungen hätte dies auf die Gesamtleistung der Schüler?
  • Ist der gesellschaftliche Nutzen zusätzlicher Französischkompetenzen grösser als der Nutzen zusätzlicher Mathematik- oder Deutschkompetenzen?

Aus dieser Perspektive gelangen sie immer wieder zu denselben einfältigen Schlussfolgerungen:

  • mehr Zielsprachen-Input,
  • mehr Lernzeit,
  • mehr Austauschformate,
  • mehr Immersion/CLIL,
  • besser qualifizierte Lehrpersonen,
  • stärkere Nutzung der Zielsprache im Unterricht

Besonders deutlich zeigt sich dies in den vorgeschlagenen Handlungsfeldern: «Genügend Lernzeit in der Zielsprache ermöglichen», «Stundendotation erhöhen», «Austausch obligatorisch machen», «Immersionsunterricht fördern» und «Stundentafel anpassen».

Mehr, mehr, mehr – mit den Kernforderungen, es brauche besser qualifiziertere Lehrer und mehr Unterrichtszeit fürs Französisch. Darüber hinaus seien verbindlich Austauschprogramme mit Schulen in französischsprachigen Gebieten zu injizieren.

Eine Regierung muss nicht nur fragen: «Wie wird Französisch besser?» Sie muss auch fragen: «Wie wird die Gesamtbildung besser?»

Dabei blenden Büchel und Oechslin aus, dass solche Investments auf Kosten anderer Fächer gehen. Die Einführung von Frühfranzösisch und Frühenglisch ist leider mitverantwortlich, dass die Gesamtleistung der Volkschule erodiert und Deutsch und Mathematik leiden. Diese Entwicklung bildet unter anderem der neueste Bildungsbericht 2026 des Bundes ab, leuchtet sie jedoch leider nicht vertieft aus. Zahlreiche weitere Erhebungen, nicht nur die Pisa-Studien, zeigen, dass immer mehr Jugendliche in der Schweiz die Volksschule verlassen, ohne lehrberufsfähig zu sein.

Das Ignorieren der Opportunitätskosten ist ein methodischer Mangel, der einem Forschungs- und Beratungsunternehmen wie Interface nicht hätte passieren dürfen. Der Auftrag lautete zwar: «Wie können die Kompetenzen in Französisch und Englisch verbessert werden?» Innerhalb dieser Fragestellung ist es logisch, dass die Autoren nach Faktoren suchen, die den Fremdsprachenerwerb verbessern.

Die Profis hätten jedoch die einfältigen Fragesteller darauf aufmerksam machen müssen, dass diese Faktoren für einen bildungspolitischen Entscheid nicht ausreichen. Eine Regierung muss nicht nur fragen: «Wie wird Französisch besser?» Sie muss auch fragen: «Wie wird die Gesamtbildung besser?»

Verachtung der Leistung der Lehrer

So forderte der von seinen Bildungsbürokraten geführte neue Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann in einem ersten Kommunikationslauf, dass es besser qualifizierteres Lehrpersonal brauche (um das Frühfranzösisch zu retten). Er hat dabei nicht gemerkt, dass er damit in eine Falle läuft. Denn diese Forderung – in der Studie formuliert, aber nicht quantifiziert – zeigt die ganze Verachtung der Verwaltung und der Bildungsforscher gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern an der Basis. Sie tragen offenbar eine Mitschuld für die schlechten Sprachkompetenzen. Waren die Französischlehrer bislang ungenügend ausgebildet und zu wenig qualifiziert? Für eine solche Aussage liefert die schwache Studie von Interface keine Datenbasis. «Frechheit», schlug es Markus Eigenmann folgerichtig um die Ohren.

Nun, im zweiten Kommunikationslauf bei der Veröffentlichung der Standortbestimmung, bleibt Eigenmann vage und unverbindlich. Er schreibt: «Auf Basis der Standortbestimmung und der darin identifizierten Handlungsfelder werden nun gemeinsam bis im Sommer 2027 Umsetzungsvarianten zur Weiterentwicklung des Sprachenkonzepts geprüft und ausgearbeitet. Die Umsetzung einer Variante soll nach Möglichkeit per Schuljahr 2030/31 beginnen.»

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