Baume-Schneider übergeht Kindeswohl und betreibt Sprachpolitik
"Ça ne va pas", Madame Baume-Schneider!

Medienmitteilung vom 13. Juni 2026

Die Ankündigung des Bundesrates, die Deutschschweizer Kantone künftig per Gesetz zum Frühfranzösisch auf der Primarstufe zwingen zu wollen, ist ein bildungspolitischer Irrweg. Das Lehrernetzwerk Schweiz weist die Pläne entschieden zurück und stützt sich dabei auf das neue juristische Gutachten der Aarauer Rechtsanwältin Dr. iur. Nicole Burger.

Das Gutachten ist eindeutig: Der Bund verfügt nicht über die Kompetenz, den Kantonen vorzuschreiben, wann eine Fremdsprache unterrichtet werden muss. Die Organisation des Schulunterrichts gehört gemäss Bundesverfassung in die Hoheit der Kantone. Trotz des ihr persönlich zugestellten juristischen Gutachtens erhöht Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider nun den politischen Druck auf die Kantone.

Generationen von Kindern betroffen

Wer spricht in Bundesbern eigentlich noch für die Kinder, die das gescheiterte Frühsprachenkonzept Tag für Tag erdulden müssen? Kinder brauchen zuerst eine solide Grundlage in Deutsch, Lesen, Schreiben und Mathematik. Genau dort zeigen nationale und internationale Leistungsstudien seit Jahren besorgniserregende Entwicklungen: Rund die Hälfte der Sekundarschulabgänger verfehlt die Minimalziele.

Während ein früher Fremdsprachenbeginn keinen Lernerfolgsvorteil bringt, bindet Frühfranzösisch hingegen wertvolle Unterrichtszeit und Ressourcen. Leidtragende sind vor allem Schüler mit Förderbedarf sowie Kinder aus fremdsprachigen Familien.

Besonders stossend ist deshalb die Argumentation des Bundesrates, wonach der nationale Zusammenhalt vom Frühfranzösisch abhänge. Dieses Argument hält weder einer historischen noch einer verfassungsrechtlichen Überprüfung stand. Die Schweiz hat während mehr als 150 Jahren ohne Frühfranzösisch funktioniert. Wer heute behauptet, die Einheit der Schweiz hänge davon ab, ob ein Kind in der vierten oder erst in der siebten Klasse Französisch lernt, betreibt Symbolpolitik auf dem Rücken der Kinder.

Vorbild Kanton Aargau

Erkannt hat dies die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher. Sie will den Französischunterricht künftig erst in der 6. oder der 7. Klasse starten. In der Realschule soll er flexibilisiert werden. Damit orientiert sie sich an den pädagogischen Realitäten in den Klassenzimmern.

Das Lehrernetzwerk Schweiz warnt vor einer ideologisch motivierten Zentralisierung der Bildungspolitik. Die Kantone müssen die Freiheit behalten, ihre Schulen so zu organisieren, dass sie den Kindern dienen – und nicht politischen Prestigeprojekten in Bern.

 

In der aktuellen Debatte geht es nicht um die Abschaffung von Französisch an Deutschschweizer Schulen. Es geht weder um Machtfragen zwischen Bund und Kantonen noch um die politische Profilierung einzelner Akteure. Es geht um die Kinder. Bildungspolitik muss von Lernerfolg und pädagogischer Vernunft geleitet werden. Wer Primarschulkinder überfordert, um ein politisches Signal auszusenden, handelt nicht im Interesse der Bildung.

Das Lehrernetzwerk Schweiz fordert den Bundesrat deshalb auf, die Bildungshoheit der Kantone zu respektieren und auf einen frontalen Französisch-Zwang zu verzichten.

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