Pressekonferenz Wendepunkt Bildung
Flyer

Audio-Datei

Beat Kissling (Eröffnung)                             ab Min. 0:00
Carl Bossard                                                  ab Min. 6:48
Christine Staehlin                                         ab Min. 12:35
Allan Guggenbühl                                        ab Min. 17:06
Philipp Loretz                                                ab Min. 22:57
Yasmine Bourgeois                                       ab Min. 30:19
Roland Stark                                                  ab Min. 36:37
Res Schmid, Bildungsdirektor (NW)           ab Min. 44:00
Beat Kissling (Schluss)                                  ab Min 49:06

Profilierte Bildungsexperten rufen zur Kurskorrektur auf

Exklusive für die Interessierten am Lehrernetzwerk Schweiz: die Originalwortlaute als Audiodatei zum Herunterladen.

Nach Jahrzehnten voller Grossreformen befindet sich das Schweizer Bildungssystem in einer Krise. Das Leistungsniveau sinkt, es fehlt an qualifiziertem Personal, die Schulen sind auf verschiedenen Ebenen überlastet. Nötig ist ein sachlicher und ehrlicher Diskurs mit dem Ziel, die hohe Qualität der hiesigen Schulbildung zurückzugewinnen.

Eine achtköpfige, erlauchte Allianz von Pädagogen und Fachleuten hat nun die Finger auf die wunden Punkte gelegt. Unter dem Titel «Wendepunkt Bildung – Mut zur Kurskorrektur» liegt ein Manifest vor, das eine Stärkung der Klassenlehrperson fordert, eine praxisnähere Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen, eine Entschlackung der Stundentafeln, die Entlastung der Schulleitungen und ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Kindern.

«Uns leitet die Frage, was der Kernauftrag der Schule ist und was dem Kind nützt», sagt Beat Kissling (71), promovierter Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeut und ehemaliger Lehrer. «Die Schule hat das systematische Lernen verlernt – aufbauen, festigen, üben, üben, üben und anwenden», sagt Carl Bossard (76), Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Zug.

Der frühere Heilpädagoge und SP-Grossrat Roland Stark (75) ergänzt deutlich: «Die integrative Schule hat versagt – nur die Bildungsbürokratien blühen.» Und der dienstälteste Bildungsdirektor der Schweiz, Res Schmid (SVP) aus Nidwalden, kurz vor der Pensionierung, bilanziert: «Ich erlebe eine Ideologisierung durch die PH und eine Überforderung der Lehrpersonen.»

Was die Gruppe eint: Ihre Mitglieder sind im fortgeschrittenen Alter und konnten durch die Bildungsverwaltungen weder ausgebremst noch ruhiggestellt werden. Anders als viele aktive Lehrpersonen, die um ihre Stelle fürchten müssen, wenn sie öffentlich Kritik am Kurs der Volksschule äussern. Die Basler Lehrerin und Erziehungsrätin Christine Staehelin (GLP) liess durchblicken, dass sie sich mit dem Gang an die Öffentlichkeit in einem Graubereich bewege. Eigentlich müssten ihre Zitate vor der Publikation von der Erziehungsdirektion freigegeben werden. Nordkorea am Rheinknie?

Im Gegensatz zu den Pädagogischen Hochschulen, in denen die grosse Mehrheit der Professoren noch nie in einem Schulzimmer gestanden hat, weisen alle Vertreter von «Wendepunkt» Praxiserfahrung auf – und die Bereitschaft, Bildung nicht nach Ideologie oder Parteicouleur zu beurteilen.

Zu den Referenten:

Prof. Dr. Carl Bossard ist heute für seine rege publizistische und seine Vortragstätigkeit bekannt. Er war langjähriger Rektor verschiedener wichtiger Bildungsinstitutionen: Rektor zweier Kantonsschulen (Stans und Luzern) sowie Gründungsrektor der PH Zug, aktuell an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg tätig.

Christine Staehelin ist langjährige Primarlehrerin, verfügt über einen Master in Erziehungswissenschaften und ist seit vielen Jahren Erziehungsrätin, Co-Leiterin der Fachgruppe Bildung der GLP von Basel-Stadt.

Prof. Dr. Allan Guggenbühl ist in der Öffentlichkeit vor allem durch seine Expertise-Stellungnahmen und Publikationen zu vielfältigen Jugendthemen bekannt. Er war Professor an der Pädagogischen Hochschule in Zürich und ist Leiter des Instituts für Konfiktmanagement IKM mit Sitz in Zürich. Er ist seit vielen Jahren Psychotherapeut mit eigener Praxis ebenfalls in Zürich.

Philipp Loretz ist Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland LVB, dem gewerkschaftlich sowie bildungspolitisch höchst aktiven Verbands, der seine Mitglieder (also die Basis) ernsthaft mit einbezieht. Philipp ist auch Redaktionsmitglied des Publikationsorgans lvbinform. Er ist Sekundarlehrer, seit 2020 Bildungsrat und Gründungsmitglied des bekannten Bildungsblogs Condorcet Bildungsperspektiven.

Yasmine Bourgeois ist Primarlehrerin und Schulleiterin im Kanton Zürich. Sie ist Fraktionsvorstandsmitglied der FDP in der Stadt Zürich und hat sich als Gemeinderätin hinsichtlich Bildung unlängst einen Namen gemacht als Initiantin der Zürcher Förderklasseninitiative.

 

Roland Stark ist ebenfalls Lehrer sowie diplomierter Heilpädagoge und war 42 Jahre lang Kleinklassenlehrer in den Kantonen Baselstadt und Baselland. Politisch war Stark als Partei- und Fraktionspräsident der SP Basel-Stadt engagiert sowie als Verfassungs- und Grossratspräsident.

 

Res Schmid amtet seit 2010 als Bildungsdirektor des Kantons Nidwalden und ist damit der amtsälteste bzw. -erfahrenste Bildungsdirektor in der Schweiz. Ihn kennt man für seine eigenständig kritischen Äusserungen zu fragwürdigen Bildungsentwicklungen. Er ist für die SVP ein wichtiger Vordenker in Sachen Schule und Bildung. Vor seinem Engagement als Bildungsdirektor war Res Testpilot der Schweizer Armee war, zuletzt Cheftestpilot im Rang eines Oberst a. D.

Dr. Beat Kissling ist promovierter Erziehungswissenschaftler und heute Psychotherapeut in eigener Praxis in Zürich. Früher war er Lehrer auf praktisch allen Schulstufen, beginnend bei der Primarschule, über die Real- und Oberschule und dem Gymnasium bis zum Hochschullehrer tätig. 2010 war er Gründungsmitglied der GBW, der internationalen Gesellschaft für Bildung und Wissen und seither bezüglich Schulentwicklung publizistisch tätig.

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