«Der pädagogische Bereich ist besonders stark unterwandert»


Die Kindheit ist kein Schonraum mehr. Ob auf YouTube, in Schulbüchern oder im Kindergarten: Kinder begegnen heute immer früher ideologischen Botschaften, die sie überfordern oder gar von ihren Eltern entfremden. Was früher Erziehung im geschützten Familienrahmen war, wird zunehmend von gesellschaftlichen Strömungen und pseudo-pädagogischen Konzepten überlagert. Wer sich diesen entgegenstellt, wird im schulischen Umfeld oft beargwöhnt. In Genf wurden sogar die leiblichen Kinder fremdplatziert, weil die Eltern gegen die Transition bei ihrer minderjährigen Tochter waren.
Der neue Elternratgeber «Kinder wirksam vor Ideologien schützen» will dem etwas entgegensetzen: Er ruft Eltern dazu auf, ihre Verantwortung als wichtigste Orientierungsquelle ihrer Kinder neu zu begreifen und zeigt mit Erkenntnissen aus Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie und Logotherapie, wie Kinder lernen können, ihrem inneren Kompass zu folgen. Juristische Beiträge erläutern zudem, welche Rechte Eltern haben, wenn staatliche oder schulische Eingriffe zu weit gehen.
Regula Lehmann, Sie sprechen von einer schleichenden ideologischen Beeinflussung schon in der frühen Kindheit. Wo beginnt diese – und warum bleibt sie so oft unbemerkt?
Diese Beeinflussung findet unterdessen eigentlich so ziemlich überall statt. Insbesondere der pädagogische Bereich ist stark ideologisch unterwandert. Viele Kitas, Horte und Schulen haben beispielsweise sexualpädagogische Konzepte etabliert, die Kinder sexuell animieren und für sexuelle Vielfalt werben. Die öffentliche Schule wird zunehmend als Werbeplattform für linke und woke Anliegen missbraucht. Unbemerkt bleiben diese Machenschaften zum einen, weil viele Schweizer Medien eine links-woke Ausrichtung haben und gar nicht daran interessiert sind, diese Missstände aufzudecken. Zum anderen sind viele Eltern und Lehrer selbst von diesen Ideologien geprägt, oder, falls sie merken, was schief läuft, haben sie zu viel Angst, etwas dagegen zu unternehmen. Mütter und Väter befürchten, dass ihre Kinder darunter zu leiden haben, wenn sie sich wehren. Lehrerinnen und Lehrer haben Angst, dass sie innerhalb des Teams geächtet werden oder ihren Job verlieren, wenn sie sich dem ideologischen Diktat verweigern.
«Die öffentliche Schule wird zunehmend als Werbeplattform für linke und woke Anliegen missbraucht.»
Viele Eltern spüren, dass «etwas kippt», wissen aber nicht, wie sie reagieren sollen. Wie können sie ihre Kinder schützen, ohne in eine permanente Abwehrhaltung gegenüber Schule und Medien zu geraten?
Wichtig ist, dass Eltern sich für das interessieren, was an den Orten passiert, wo ihre Kinder sich aufhalten. Dass sie sich mit dem auseinandersetzen, was in der Gesellschaft läuft und sich eine differenzierte Meinung dazu bilden. Und dann ist es natürlich wichtig, dass sie den Lehrern ihrer Kinder wertschätzend begegnen, sich unterstützend in der Schule engagieren (zum Beispiel im Elternrat oder als Begleiter bei Ausflügen usw.) und einen offenen Austausch pflegen. Besteht eine wertschätzende Beziehung zwischen Eltern und Kita oder Schule, ist es tendenziell einfacher, über einseitige ideologische Beeinflussung oder fragwürdige Unterrichtsinhalte ins Gespräch zu kommen.
Der Ratgeber setzt auf Bindung und innere Stärke statt auf Kontrolle. Was macht ein Kind widerstandsfähig gegen Manipulation – und welche Rolle spielt dabei das Vertrauen zwischen Eltern und Kind?
Grundsätzlich gilt: Je stärker und seelisch gesünder ein Kind ist, desto weniger anfällig ist es für ideologische Beeinflussung. Das Vertrauen zwischen Eltern und Kind ist elementar, deshalb thematisiert unser Ratgeber die sichere Bindung und die Bedeutung der Eltern als wichtigste Bezugspersonen und «Influencer» ihrer Kinder. Eine zentrale Rolle spielt weiter eine altersgemässe Erziehung zur Freiheit. Rolf Rietmann, Autor des Artikels «Anpassung oder Eigenständigkeit: Die Kunst, authentisch zu leben und zu erziehen» schreibt: «Wir können unsere Kinder nicht zu «braven» angepassten, pflegeleichten Menschen erziehen und dann erwarten, dass sie später mutige und selbstbewusste Erwachsene werden.» Die Förderung des eigenständigen Denkens im Elternhaus und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit lässt Kinder zu Menschen heranreifen, die Rückgrat zeigen und sich angemessen durchsetzen können.
«Es geht nicht immer nur um
das eigene Kind, sondern um
das grössere Ganze, das es
zu schützen gilt.»
Zukunft CH setzt auch einen juristischen Schwerpunkt: Wenn staatliche Stellen oder Schulen weltanschauliche Grenzen überschreiten: Welche juristischen Möglichkeiten haben Eltern – und wie lassen sich diese in der Praxis durchsetzen, ohne das Kind in Loyalitätskonflikte zu bringen?
Für die Eltern ist es wichtig, ihre Rechte zu kennen und ihre Anliegen verständlich formulieren zu können. Im Konfliktfall ist die Präsenz von gut vorbereiteten Eltern, die wissen, was sie nicht für ihre Kinder wollen, entscheidend. Fruchten offene Gespräche nicht, ist unter Umständen ein Gang zum Gericht sinnvoll. Grundsätzlich muss man keine Angst haben, schliesslich geht es um die Verteidigung verfassungsmässig zugesicherter Rechte. Dass ein Kind in Loyalitätskonflikte kommt, wenn seine Eltern sich wehren, wird nicht immer ganz zu vermeiden sein. Gleichzeitig geht es ja nicht immer nur um das eigene Kind, sondern um das grössere Ganze, das es zu schützen gilt. Es macht auf jeden Fall Sinn, sich beraten zu lassen, welche Schritte Sinn machen und verhältnismässig sind. Und natürlich ist ein gemeinsames Vorgehen mehrerer Eltern oder ein unterstützendes Netzwerk wie das «Lehrernetzwerk Schweiz» Gold wert. (dw)

Der neue Ratgeber der Stiftung Zukunft CH für Eltern zum
Thema «Kinder wirksam vor Ideologien schützen» stärkt Mütter und Väter in ihrer Position als Erzieher und Beschützer und liefert praktische Hilfestellungen vor schädlichem Einfluss einer Gesellschaft, die den Werte-Kompass verloren hat.




